Galerie Birgit Ostermeier
Projects | Contact
Susanne Starke - Gelächter
10 October - 08 November 2008
 
images
press release
biography
ENGLISH VERSION BELOW

Die in Berlin arbeitende Bildhauerin Susanne Starke (*1973) entwirft gern dramaturgische Szenarien, die sich an Nebenfiguren der Kunst- und Literaturgeschichte orientiere. Dies gilt auch für eine der neuen Arbeiten, die in der Ausstellung „Gelächter“ zu sehen sind, die fast lebensgroße „Frau mit Maske“. Die aus Aluminium gegossene Skulptur bezieht sich auf die Mänaden der griechischen Mythologie, die als Begleiterinnen der dionysischen Züge auftreten. Sie feierten mit Dionysos - dem Gott des Weines, der Freude, Fruchtbarkeit und der Ekstase – rauschende Feste. Die auch als gefürchtete Jägerinnen beschriebenen Frauen tanzten zu lauter Flöten-, Pauken- und Trompetenmusik. Oft werden Mänaden mit einem so genannten Thyrosstab abgebildet. Dieser Stab, den auch Starkes Skulptur trägt, besteht aus dem Stängel eines Riesenfenchels. In den griechischen Mythen heißt es, wer dem Wein zu stark zugesprochen hatte, konnte sich auf einen solchen Stab stützen.
Die silberfarbene, spiegelnde Oberfläche, die Starke ihrer Mänade gibt, entrückt sie einer greifbaren Realität und kennzeichnet sie um so mehr als imaginäres Wesen. Außerdem trägt ihre Mänade eine Maske - ein oft verwendetes Motiv in der Arbeit der Künstlerin. Das Tragen einer Maske steht für Verwandlung und verdeckt das individuelle Gesicht einer Person. Gleichzeitig kann die Maske auch bestimmte Aspekte der Persönlichkeit hervorkehren oder eine animalische, instinkthafte Seite zeigen. Die tatsächliche Identität dieser Mänade bleibt der Vorstellung überlassen.

Die Arbeit die „Maske“ nimmt neben dem Maskenmotiv auch das der Schellenkappe auf. Die 80cm hohe und 80cm breite Skulptur aus Lindenholz zeigt ein lachendes Gesicht mit einer Narrenkappe. Kaum ein anderer Charakter vereinigt Komik und Tragik so sehr wie der Narr. In seiner Doppelrolle als Weiser und Tor, Künstler und Sündenbock. Er attackiert die Zuschauer und leidet zugleich unter der Grausamkeit des menschlichen Daseins.
Als symbolischer König einer chaotischen Welt erzählt er die Wahrheit aus seiner Sicht. Dabei steht seine Narrenkappe mit ihren Schellen im wörtlichen Sinne für die künstlerische und moralische Freiheit.

Auch die Skulptur „Vogelfrau“ spielt mit dem Motiv der Maske. Die nur knapp 30 cm hohe Acrylharz-Figur befindet sich in einem weiteren Stadium der Verwandlung - sie hat den Kopf eines Vogels und den Körper einer Frau. Die beiden Handpuppen, mit denen sie zu spielen scheint, sind wie der Kopf schwarzweiß bemalt und stehen somit in Kontrast zum fleischfarbenen Körper. Auch hier geht es um das Zusammenspiel von Vorstellung, lebloser Materie und Körper.

Für das ebenfalls aus Acrylharz bestehende Relief „Gelächter“ nahm Susanne Starke Bezug auf mittelalterliche Darstellungen biblischer Geschichten. Neben dem Hauptgeschehen ist häufig eine Gruppe von Zuschauern zu sehen, die eine dem Anlass entsprechende Mimik – andächtig, zweifelnd, staunend, etc.- zeigt. Bei diesen Darstellungen spielen die Körper der Figuren kaum eine Rolle. Oft werden die Köpfe nebeneinander aufgereiht und übereinander gestaffelt. Dieses Schema griff die Bildhauerin für ihr Relief mit den lachenden Gesichtern auf.

Das narrative Erleben des Betrachters entsteht durch den Bezug der Skulpturen zueinander. So scheinen die lachenden Gesichter des Tonreliefs „Gelächter“ und die „Maske“ den Auftritt der „Vogelfrau“ und der „Frau mit Maske“ als Anlass zu nehmen, um in tosendes Gelächter auszubrechen. Dabei ist nicht klar, ob ihr Lachen ein höhnisches oder ein wohlwollendes ist.
Die Rezipienten nehmen einerseits die gleiche Rolle wie die Gesichter ein, nämlich die Rolle des Beobachters der erzählerisch anmutenden Frauenfiguren. Andererseits werden sie aber auch zu Beobachtern der Gesichter und der ganzes Situation an sich. Vielleicht beobachten die Gesichter aber auch die Rezipienten? Die Entscheidung darüber bleibt den Rezipienten und ihrer persönlichen Interpretation des Ausstellungserlebnisses überlassen.

Susanne Starke studierte in Dresden, Paris und San Diego. Ihre Arbeiten waren bereits im Maison Rouge, Paris, der Städtischen Galerie Dresden und der Kunsthalle Mannheim zu sehen, in deren Sammlung sich auch Werke der Künstlerin befinden. Im kommenden Jahr werden ihre Arbeiten unter anderem im Rahmen der Gruppenausstellung „Tierperspektiven“ im Berliner Georg-Kolbe-Museum gezeigt.
____________________

ENGLISH VERSION
Laughter
Susanne Starke
Opening October 10th, 2008

The Berlin based sculptor Susanne Starke (born in 1973) creates dramaturgical situations by linking aspects of art history with literature. In her recent solo exhibition “Laughter”, we are greeted by the almost life-sized work “Woman with Mask”. This aluminium cast sculpture is based directly on The Maenads from Greek mythology, companions of the Dionysian cortege. Together with Dionysus (the god of wine, pleasure, fertility and ecstasy) The Maenads celebrated in decadent festivities, dancing to loud whistles, kettle-drums, and trumpet music. Furthermore, The Maenads were often represented wearing a so-called “Thyrsus Stick”, a giant stem from a fennel, and ostensibly used by drunkards for supporting themselves. This silver-colored stick can also be found in the hand of Starke’s figure, as the reflective surface of her form disconnects her from reality, marking her as a creature born from imagination.

The sculpture entitled “Mask” entails other curious elements aside from simply representing a mask. The 80cm x 80cm relief sculpture (made of painted lime wood) shows a laughing face sporting a dunce cap and bells. It’s obvious reference would be the Jester, directly unifying both comedy and tragedy. The Jester is sometimes considered the wise-man, the fool, the artist, or the scapegoat. He attacks the world with his laughter, and at the same time suffers from the cruelty of human existence. As the symbolic king of a chaotic world, he may narrate some form of truth through his own point of view. In doing so, his cap and bells literally suggest symbols of artistic and moral freedom.

The mask motive continues with the sculpture “Bird Woman”, a 30cm tall acrylic-resin figure. In this piece an odd transmogrification occurs, as she literally has the head of a bird and the body of a woman. Both hand puppets (that she appears to be playing with) are just like her head, colored black and white, standing in contrast to her flesh-colored body. The piece continues on this interactive track between imagination, lifeless material, and the living body.

With the two-meter sculptural relief “Laughter”, we find references to medieval representation, and specifically illustrations from Christian tales. In the past, it had been common to show sections of small audiences that were adjacent to some main event, where their facial expressions had revealed devotion, doubt, curiosity, and other emotions. The heads and faces were strung side by side and upon one another, a scheme that Starke follows with this particular sculpted and painted relief.

Our own narrative interpretations from the exhibition depend on a distinct communication between the artworks. The hysterical faces seen in “Laughter” and “Mask” appear extreme when juxtaposed next to “Bird Woman” or “Woman with Mask”, and it is not one hundred percent clear if this laughter is complacent or sneerful. On the one hand, we may slip behind the skin of Starke’s characters. On the other hand, we are simply observers of a complex situation at work. But one may wonder if the faces are glancing intensely at the visitors through satirical grimace, or mask-shielded contemplation. The artist plays with this back-and-forth quality as one way to push the boundaries of the beholder’s fantasy.

Susanne Starke studied in Dresden, Paris and San Diego. Her work has been exhibited at The Maison Rouge in Paris, The Städtische Galerie in Dresden, and The Kunsthalle Mannheim (who also have works of hers in their collection). Upcoming exhibitions include The Georg-Kolbe Museum in Berlin as part of the group show “Tierperspektiven” (“Animal Perspectives”).