Galerie Birgit Ostermeier
Projects | Contact
SCHEIN - Alex Dorfsman, Erick Meyenberg, Jovana Popic, Markus Zimmermann
06 September - 04 October 2008
 
images
press release
biography
English version below
________________

Wir freuen uns, Sie zu der Gruppenausstellung „Schein“ einladen zu dürfen. Wie schon im letzten Jahr wird auch in diesem September die Herbstsaison der Galerie Birgit Ostermeier mit einer international ausgerichteten Gruppenausstellung spannender Neuentdeckungen begonnen.

Das zentrale Thema der diesjährigen Gruppenausstellung ist der SCHEIN und mit ihm die Frage nach Realität und Abbildung, die von den Künstlern auf unterschiedlichste Weise thematisiert wird. Der Betrachter wird mit dem verwirrenden und reizvollen Spiel mit Parallelrealitäten und Perspektivverschiebungen konfrontiert, welche auf einerseits kritische, andererseits ironisch-humorvolle Weise herkömmliche Wahrnehmungsstrategien vor Augen führen und erkennen lassen, dass der Schein fast immer trügt.



Alex Dorfsman
„It’s almost real, isn’t it?“ lautet denn auch der Titel des ersten Kataloges des 1977 in Mexico City geborenen Fotokünstlers Alex Dorfsman.
Dieser Titel ist Programm: Dorfsman arbeitet mit den Medien Fotografie und Video, und richtet seinen Fokus dabei auf den verwirrenden Kontrast zwischen realer Natur und ihrer künstlichen Abbildung im „natürlichen“ Stadtraum. Sein Werk bietet einen analytischen, humorvollen Blick auf Repräsentationen und Abstraktionen von Realität, veranschaulicht anhand von Natur-Abbildungen in wechselnden kulturellen Kontexten. In der Ausstellung präsentiert er neue Arbeiten aus der Reihe „Selección Natural“ Die Bilderstrecke zeigt Aufnahmen von der Entstehung der Erde bis zur Gegenwart. Bildquelle ist auch hier der uns umgebende Stadtraum – wichtige ist nur die „Selección Natural“, die natürliche Auslese der Perspektive auf die Dinge, die spielerisch die Weltgeschichte umschreibt.

Im Juli 2008 präsentierte Dorfsmann seinen gleichnamigen Katalog im renommierten Museo de Arte Carillo Gil in Mexiko City.



Erick Meyenberg
„Es war nur die Musik der Worte und der seltsame Zauber des Gedichtes, was mich in Ruhe wiegte.“ Diese Worte beschreiben Rosa Luxemburgs (1871-1919) Wahrnehmung ihrer siebten und letzten Haft zwischen 1916 und 1918. Der Künstler Erick Meyenberg (*1980 in Mexico City), der bis 2009 Rebecca Horn-Schüler an der UdK Berlin sein wird, setzt in der Multimedia-Installation Hidden words (2005-2008) dieses Zitat der Revolutionärin als Grundlage der Werkstruktur ein und schafft eine intime Annäherung an eine der radikalsten politischen Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts. Hidden words entmystifiziert auf diese Weise die politische Person Rosa Luxemburg und bringt dem Betrachter stattdessen eine neue, intime Darstellungsweise, die sich ganz auf das innere Erleben konzentriert und somit eine ungewohnte, andere, umfassendere Realität der Person zeichnet – historische und persönliche Zeit überlagern sich.
Das Projekt „Hidden Words“ wird im Oktober 2008 im Rahmen der Eröffnungsausstellung des Museo Universitario de Arte Contemporáneo (MUAC) in Mexico City präsentiert werden.


Jovana Popic
Jovana Popic, geboren 1977 in Kroatien und ebenfalls ehemalige Studentin Rebecca Horns an der UdK Berlin, wird die multimediale Installation „Lunik“ (2007) zeigen. Die Arbeit wurde inspiriert durch die erste, von den Russen 1959 zum Mond lancierte Raumsonde Lunik. Jene Sonde, welche unter anderem die Existenz des Sonnenwindes bestätigte, verlor jedoch den Kontakt mit der Kommandozentrale auf der Erde und verschwand, weshalb sie den Namen „Metchta“ (russisch für Traum) erhielt. Die Sonde kehrte also nie aus dem All zurück.

Beim Blick in das dunkle, an die Sonde erinnernde „Teleskop“ von Jovana Popic sieht man Bilder möglicher Weltraumrealitäten, die die Sonde, wäre sie nicht verloren gegangen, hätte aufzeichnen können. Durch die künstlerische Mithilfe beim Festhalten möglicher außerirdischer Realitäten wird das universelle Motiv einer intimen und tragischen Beziehung des Suchenden zu seinem nicht Verwirklichten erzählt.


Markus Zimmermann
Markus Zimmermann (*1978) absolvierte die HSBK Braunschweig und lebt und arbeitet in Berlin. In seinem Werk geht es immer wieder um Rekontextualisierung und Wiederverwertung von dem Untergang geweihten Wegwerfobjekten, mit denen er durch minimale Realitätsverschiebungen neue Parallelrealitäten erschafft. Seine in der Ausstellung präsentierten, schuhkartongroßen Guckkästen sind der Zugang zu einem neuen Raum-Zeit-Fenster. Nimmt man einen zur Hand und platziere die Öffnung vor dem Auge, so nimmt der Einblick uns gleichsam körperlich mit hinein, wir werden an einen neuen Ort gesogen. Der Ort der Betrachtung wird zum Standpunkt, es gibt keine Distanz mehr zwischen dem, was man sieht und dem Ort, an dem man sich befindet – plötzlich ist man woanders. Keine Tür ist zu durchschreiten, keine Treppe führt dorthin. Man ist mittendrin, in der Tiefe des Raumes, allein in einer verschlossenen Welt. Dort in dieser anderen Welt entstehen die Bilder im Auge des Betrachters von allein. Erinnerungen kommen zurück, da diese ruhigen und unbewegten Räume Projektionsräume sind, in denen Raum wahrgenommen, gelebt werden kann. Die Realität löst sich im Schein auf.




________________
ENGLISH


We are pleased to invite you to the group exhibition „Schein“. This September we will begin our autumn season – as we did last year – with an internationally focused and fascinating group show filled with new discoveries. The central theme of this years group show is “Schein“(appearance) and with that the question of reality and reproduction which is addressed by the artists using various methods and approaches. The viewer is confronted with a perplexing and enticing game of parallel realities and shifting perspectives, which is thus both a critical and ironic/humorous cognitive strategy to clearly show that appearances nearly always deceive.



Alex Dorfsman
„It’s almost real, isn’t it?” is the title of the first catalogue by the artist Alex Dorfsman (1977*) from Mexico City.
The title is the name of the game: Dorfsman works in both photographic and video mediums and focuses on the perplexing contrast between nature and its artificial recreation in an urban setting. His work offers an analytical, yet humorous look at the representation and abstraction of reality, demonstrated by means of reproductions of nature in a variety of cultural contexts. In this exhibition he presents new work from the series “Selección Natural”. The row of images presents photos from the formation of the earth to the present day with, the source for the pictures being found in the urban space that surrounds us – only the “Selección Natural” is important, the natural selection of perspectives on things that playfully rewrite world history.

In July 2008 Dorfsmann presented his catalogue in the renowned Museo de Arte Carillo Gil in Mexico City.



Erick Meyenberg
“It was only the music of the words and the strange magic of the poem that soothed me.” These words describe Rosa Luxemburg’s (1871-1919) perception of her seventh and final imprisonment between 1916 and 1918. The artist Erick Meyenberg (*1980, Mexico City), who will study under Rebecca Horn at the UdK, Berlin until 2009, uses this quote from the revolutionist as the foundation of his multimedia installation Hidden Words (2005-2008) and creates an intimate account of one of the most radical political personalities of the 20th century. In this way, Hidden Words demystifies the political person Rosa Luxemburg and instead brings the viewer a new and intimate account that concentrates fully on her internal experiences, thus showing an unusual, alternative, and comprehensive reality of this person - where historical and personal events overlap.
The Project Hidden Words will be shown in October 2008 as part of the inaugural exhibition at the Museo Universitario de Arte Contemporáneo (MUAC) in Mexico City.



Jovana Popic
Jovana Popic, born in 1977 in Croatia and also a student of Rebecca Horn at the UdK in Berlin presents the multimedia installation Lunik (2007). The work was inspired by the first ever lunar space probe Lunik, launched by the Russians in 1959. This probe, which amongst other things confirmed the existence of solar wind, lost contact with the command centre on Earth and disappeared, which is why it gained the name “Metchta” (meaning dream in Russian). The probe has never returned from outer space.
By looking into the darkness through the telescope by Jovana Popic one sees images of possible outer space scenarios that the probe, had it not been lost, may well have recorded. Through the artistic assistance of documenting possible alien realities, the universal theme of the intimate and tragic relationship between the seeker and his unrealised aim is expressed.



Markus Zimmermann

Markus Zimmermann (*1978) graduated from the HSBK Braunschweig and lives and works in Berlin. His work continually focuses on the re-contextualising and recovery of moribund disposable objects with which he creates parallel realities by minimal shifts of context. The shoe-box size viewing cases he presents in the exhibition are the access to a new space-time-window. Take one in your hands and place the opening in front of your eyes, the insight draws us quasi physically in, we are sucked into a new place. The location of the viewer becomes the standpoint, there is no longer distance between what one sees and the place one is located in – immediately we are somewhere else. There is no door to walk through, no steps to lead the way. We are at the centre, in the depth of the space, alone in an enclosed world. There, in this other world the images appear by themselves before the viewers very eyes. Memories return, because these calm and motionless spaces are projection spaces, where perception can be experienced. Reality dissolves away into appearance.